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20110810

ACC


1897/08/10 - Elberfeld  Im Bayer-Stammwerk  gelingt Felix Hoffmann die erste Reinsynthese von Acetylsalicylsäure, dem Wirkstoff des Aspirin.
Die Nutzung der Salicylsäure zu medizinischen Zwecken ist tief in der deutschen Heiltradition verwurzelt, durch Köcheln von Weidenbaumrinden und Melken von Bibern, deren Castorbeutel ein Biebergeil genanntes Sekret produziert, gewannen bereits frühgermanische Kulturen Extrakte, die der synthetischen Acetylsalicylsäure verwandte Substanzen enthielten. Verschiedene Leiden wie Krampf, hysterischer Anfall, Nervosität u.v.m verloren für die Salicylsäure anwendenden Stämme ihren Schrecken.

Mit Aspirin, der Name leitet sich vom Echten Mädesüß, auch Spire genannt (veraltet: Spiraea ulmaria L. heute: Filipendula ulmaria (L.) Maxim.), einem salicylathaltigen Rosengewächs, ab: 'A' (für die Acetylgruppe), -'spirin' (für den Inhaltsstoff der Spire) , wurde am 6. März 1899 in die Warenzeichenrolle des Kaiserlichen Patentamtes aufgenommen und im selben Jahr zum Patent angemeldet, gehört der deutschen Bayer AG heute der ganze Weltmarkt.

Bayer, zu dessen Marketingdirektor Hoffmann nach der gelungenen Synthese avancierte, fand sich erst nach langem Zögern bereit, Aspirin in den Handel zu bringen. Die vom Bibergeil bekannten Nebenwirkungen wurden gefürchtet und die Markteinführung des elf Tage nach der Acetylsalicylsäure synthetisierten Heroin, welches als unbedenkliches Allheilmittel grössere Margen versprach, band alle verfügbaren produktionstechnischen Ressourcen und Werbemittel.


Der unerwartet grosse Erfolg des Medikaments führt anlässlich des Untergangs des 3. Reiches zu einem Streit um das mit der Urheberschaft verbundene Renommee und so. Der zu dieser Zeit im Konzentrationslager weilende Chemiejude Arthur Eichengrün macht im Frühjahr des Jahres 1945, in einem, an die I.G. Farben (Bayer) AG gerichteten, Schreiben, fast ein halbes Jahrhundert nach der Erfindung von Aspirin, als er sich, wie er sagt, seinem Tode nahe sieht, geltend, dass Felix Hoffmann an Aspirin nur in der Weise beteiligt war, dass er seine, also die Anordnungen Eichengrüns, befolgte, ohne überhaupt zu wissen, was er da, im Auftrage Eichengrüns, eigentlich tat.

In den hedonistischen 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts fand das sogenannte Berliner Frühstück seinen Weg in die Angebotskarten der Szenelokale. Die Mahlzeit besteht aus einer Aspirintablette, einer Gauloise Caporal ohne Filter und einer Tasse Kaffee.