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20130609

Game Over



0068/06/09 - Rome Dead at 30, Nero Claudius Caesar Augustus Germanicus.

Gaius Suetonius Tranquillus 

Nero 48-49 

Neros Ende: Neros Flucht und Freitod

Indessen besann er sich ebenso plötzlich wieder eines ändern und sprach den Wunsch aus nach irgendeinem möglichst versteckten Schlupfwinkel, um sich daselbst wieder zu sammeln. Und da ihm der Freigelassene Phaon sein in der Nähe der Stadt zwischen der Salarischen und Nomentanischen Straße, etwa vier Meilen von der Stadt gelegenes Landgut anbot, so warf er, in blossen Füssen und nur mit der Tunika bekleidet, wie er war, einen alten verschossenen Mantel über, zog die Kapuze über den Kopf, bedeckte das Gesicht mit einem Schweisstuch und schwang sich auf ein Pferd, mit nur vier Begleitern, unter denen sich auch Sporus befand. Bald darauf, noch ganz entsetzt durch ein Erdbeben und einen vor seinen Augen niederfahrenden Blitzstrahl, hörte er von dem nahen Lager her das Geschrei der Soldaten, die jene Vorzeichen ihm zum Unheil und dem Galba zum Heil auslegten, dazu auch, wie von einer ihnen begegnenden Gruppe von Reisenden einer sagte: „Die da setzen dem Neronach!“, während ein anderer die Frage an die Reiter richtete: „Was gibt's in der Stadt Neues von Nero?“ Da scheute sein Pferd vor dem Gestank eines auf der Landstrasse liegenden Leichnams, das Schweisstuch fiel von seinem Gesicht, und er wurde von einem ausgedienten Prätorianer erkannt und begrüsst. Als man an einem Seitenpfad ankam, stieg er ab, ließ die Pferde laufen und gelangte durch Buschwerk und Dorngestrüpp auf einem durch ein Röhricht gehenden Fusspfad mit grosser Mühe und nur, indem man durch untergebreitete Kleidungsstücke den Weg für seine nackten Füsse gangbar machte, endlich zu der hinteren Mauerseite der Villa. Hier bat ihn Phaon, sich einstweilen in eine Sandgrube zu begeben, worauf er zur Antwort gab, er wolle nicht bei lebendigem Leib unter die Erde gehen! Nach einigem Verweilen, währenddessen man einen heimlichen Eingang in die Villa für ihn zu bereiten suchte, schöpfte er, um seinen Durst zu stillen, Wasser mit der Hand aus einer nahebei gelegenen Lache, indem er sprach: „Dies ist Neros Kühltrank!“ Dann zog er, da sein Mantel von Dornen zerrissen war, die durch diesen gegangenen und stecken gebliebenen Spitzen einzeln aus und gelangte so, auf allen vieren durch ein enges, ausgegrabenes Loch sich zwängend, in die nächste Zelle, wo er sich auf ein Lager warf, das mit einem ärmlichen Polster und statt der Decke mit einem alten Mantel versehen war; und da ihn nun Hunger und Durst ankamen, verschmähte er zwar das ihm gebotene schwarze Brot, trank dagegen des lauen Wassers eine ganze Menge. 

Sed revocato rursus impetu aliquid secretioribus latebrae ad colligendum animum desideravit, et offerente Phaonte liberto suburbanum suum inter Salariam et Nomentanam viam circa quartum miliarum, ut erat nudo pede atque tunicatus, paenulam obsoleti coloris superinduit adopertoque capite et ante faciem optento sudario equum inscendit, quattuor solis comitantibus, inter quos et Sporus erat. Statimque tremore terrae et fulgure adverso pavefactus audiit e proximis castris clamorem militum et sibi adversa et Galbae prospera ominantium, etiam ex obviis viatoribus quendam dicentem: 'Hi Neronem persequuntur', alium sciscitantem: 'Ecquid in urbe novi de nerone?' Equo autem ex odore abiecti in via cadaveris consernato detecta facie agnitus est a quodam missicio praetoriano et salutatus. Ut ad deverticulum ventum est, dimissis equis inter fruticeta ac vepres per harundineti semitam aegre nec nisi strata sub pedibus veste ad aversum villae parietem evasit. Ibi hortante eodem Phaotne, ut interim in specum egestae harenae concederet, negavit se vivum sub terram iturum, ac parumper commoratus, dum clandestinus ad villam introitus pararetur, aquam ex subiecta lacuna poturus manu hausit et 'Haec est' inquit, 'Neronis decocta.' 4 Dein divolsa sentibus paenula traiectos surculos rasit, atque ita quadripes per angustias effossae cavernae receptus in proximam cellam decubuit super lectum modica culcita, vetere pallio strato, instructum; fameque et iterum siti interpellante panem quidem sordidum oblatum aspernatus est, aquae autem tepidae aliquantum bibit. 

Da jetzt seine Begleiter wiederholt in ihn drangen, sich der ihm drohenden schimpflichen Behandlung baldmöglichst zu entziehen, befahl er, vor seinen Augen ein Grab zu graben, wozu er selbst das Mass seines Leibes gab, und womöglich ein paar Stücke Marmor zusammenzustellen, desgleichen Wasser und Kleinholz herbeizuschaffen, um seinem Leichnam sofort die letzte Wohltat zu erweisen, und begleitete alle diese Anordnungen mit Tränengüssen, indem er dabei zu wiederholten Malen ausrief: „Welch ein Künstler stirbt in mir!“ Während er so die Augenblicke hinzögerte, kam ein Kurier Phaons mit Briefschaften an. Er riss sie ihm aus der Hand und las, dass er vom Senat in die Acht erklärt sei und dass man ihn aufsuche, um an ihm die Strafe nach der Vorfahren Weise zu vollziehen. Er fragte, was das für eine Strafe sei. Und als er hörte, der Mensch werde dabei nackt mit dem Hals in eine Strafgabel geschlossen und der Leib mit Ruten zu Tode gehauen, ergriff er entsetzt zwei Dolche, die er mit herausgenommen hatte, prüfte die Spitze beider und - steckte sie dann wieder ein, indem er bemerkte, noch sei die Schicksalsstunde nicht gekommen. Dann forderte er mehrmals den Sporus auf, die Totenklage und das Wehegeschrei um ihn anzustimmen; dann bat er wieder, es möchte doch irgendeiner ihm zum Selbstmord durch sein Beispiel behilflich sein. Zuweilen schalt er auf sein feiges Zaudern mit den Worten: „Was ist dies für ein scheussliches und schmähliches Leben! Es ziemt einem Nero nicht, ziemt ihm nicht! In solcher Lage gilt's besonnen zu sein; auf, ermanne dich!“ Siehe, da sprengten schon die Reiter heran, denen befohlen war, ihn lebendig zu fangen. Als er es bemerkte, rezitierte er in Todesangst den homerischen Vers: Donnernd schallt mir zu Ohren der Hufschlag eilender Rosse! und drückte sich den Stahl in die Kehle, wobei ihm Epaphroditus, sein Kabinettssekretär, die Hand führte. Halbentseelt vermochte er dem hereinstürzenden Centurio, der seinen Mantel auf die Wunde drückte, um ihn glauben zu machen, dass er ihm zu Hilfe gekommen sei, nur noch die Worte zu entgegnen: „Zu spät!“ und „Das ist Treue!“ Mit diesem Ruf hauchte er seine Seele aus, während ihm zum schaudernden Entsetzen der Umstehenden die Augen weitgeöffnet aus den Höhlen traten. Vor allem und am dringendsten hatte er von seinen Begleitern das Versprechen erbeten, dass sie niemand gestatten sollten, ihm den Kopf abzuschneiden, sondern dass sie ihn unter allen Umständen un-verstümmelt verbrennen möchten. Dies bewilligte Icelus, Galbas Freigelassener, der selbst eben erst aus dem Gefängnis befreit worden war, in das man ihn beim Beginn des Aufruhrs geworfen hatte. 

Tunc uno quoque hinc inde instante ut quam primum se impendentibus contumeliis eriperet, scrobem coram fieri imperavit dimensus ad corporis sui modulum, componique simul, si qua invenirentur, frustra marmoris et aquam simul ac ligna conferri curando mox cadaveri, flens ad singula atque identidem dictitans: 'Qualis artifex pereo!' Inter moras perlatos a cursore Phaonti codicillos praeripuit legitque se hostem a senatu iudicatum et quaeri, ut puniatur more maiorum, interrogavitque, quale id genus esset poenae; et cum comperisset nudi hominis cervicem inseri furcae, corpus virgis ad necem caedi, conterritus duos pugiones, quos secum extulerat, arripuit temptataque utriusque acie rursus condidit, causatus nondum adesse fatalem horam. Ac modo Sporum hortabatur, ut lamentari ac plangere inciperet, modo orabat, ut se aliquis ad mortem capessendam exemplo iuvaret; interdum segnitiem suam his verbis increpabat: 'Vivo deformiter, turpiter - οὐ πρέπει Νέρωνι, οὐ πρέπει - νήφειν δεῖ ἐν τοῖς τοιούτοις - ἄγε ἔγειρε σεαυτόν'. Iamque equites appropinquabant, quibus praeceptum erat, ut vivum eum adtraherent. Quod ut sensit, trepidanter effatus: 'ἵππων μ’ ὠκυπόδων ἀμφὶ κτύπος οὔατα βάλλει' ferrum iugulo adegit iuvante Epaphrodito a libellis. Semianimisque adhuc irrumpenti centurioni et paenula ad vulnus adposita in auxilium se venisse simulanti non aliud respondit quam 'Sero' et 'Haec est fides.' atque in ea voce defecit, exstantibus rigentibusque oculis usque ad horrorem formidinemque visentium. Nihil prius aut magis a comitibus exegerat quam ne potestas cuiquam capitis sui fieret, sed ut quoquo modo totus cremaretur. Permisit hoc Icelus, Galbae libertus, non multo ante vinculis exsolutus, in quae primo tumultu coniectus fuerat.