1975/01/26 - Berlin Friedrich „Fritz“ Selbmann stirbt.
Selbmann, *1899, arbeitet bereits mit 16 Jahren als Bergmann unter Tage, ist Soldat im Ersten Weltkrieg und wird 1918 Mitglied eines Arbeiter- und Soldatenrates. 1920 tritt er in die USPD und 1922 in die KPD ein.
Er wird in der Systemzeit wegen seiner politischen Tätigkeit mehrfach verhaftet und zu Gefängnisstrafen verurteilt, ist von 1930 bis 1933 Mitglied des Preußischen Landtages und 1932/33 Mitglied des Reichstages und politischer Sekretär der KPD in den Bezirken Oberschlesien und Sachsen.
Selbmann, *1899, arbeitet bereits mit 16 Jahren als Bergmann unter Tage, ist Soldat im Ersten Weltkrieg und wird 1918 Mitglied eines Arbeiter- und Soldatenrates. 1920 tritt er in die USPD und 1922 in die KPD ein.
Er wird in der Systemzeit wegen seiner politischen Tätigkeit mehrfach verhaftet und zu Gefängnisstrafen verurteilt, ist von 1930 bis 1933 Mitglied des Preußischen Landtages und 1932/33 Mitglied des Reichstages und politischer Sekretär der KPD in den Bezirken Oberschlesien und Sachsen.
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| Am Neujahrstag 1951 legt Minister Selbmann im Eisenhüttenkombinat den Grundstein zum Hochofen I. |
1933 nimmt mein Grossonkel an der illegalen Tagung des Zentralkomitees der KPD im Sporthaus Ziegenhals in Ziegenhals bei Berlin teil, zeichnet in Sachsen verantwortlich für den Aufruf zum Generalstreik gegen Hitler und wird deshalb zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Dort und in verschiedenen Konzentrationslagern überlebt er das Dritte Reich.
Nach der Niederlage/Befreiung hat er in der SBZ und der DDR verschiedene Funktionen inne (u.a. Minister für Industrie, später Minister für Schwerindustrie und stellvertretender Vorsitzender der Staatlichen Plankommission und des Volkswirtschaftsrates).
Während des Aufstandes vom Juni 1953 ist er der einzige prominente SED-Funktionär, der sich den Streikenden stellt.
Als sich am 16. Juni 1953 Tausende von Bauarbeitern auf dem Platz vor dem Haus der Ministerien in der Leipziger Straße versammeln, um gegen die Erhöhung ihrer Arbeitsnormen zu protestieren, begibt er sich unter die Demonstranten und versucht von einem Bürotisch herab zu ihnen zu sprechen. Aber der Unmut der Menge ist schon zu gross. Auch seine Mitteilung, das Politbüro habe die Normerhöhung soeben zurückgenommen, vermag die Protestierenden nicht zu beruhigen. Selbmann muss einen der Rädelsführer erschiessen.
Seit 1954 auch Mitglied des Zentralkomitees der SED, wird er ab 1958 auf Betreiben Walter Ulbrichts aus allen politischen und staatlichen Ämtern gedrängt.
Bis zu seinem Tod lebt Fritz Selbmann als freischaffender Schriftsteller in Berlin. 1969-1975 ist er einer der Vizepräsidenten des DDR-Schriftstellerverbandes.

