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20120423

Riksvattenliket


Kristina Söderbaum, aus Schweden stammende Schauspielerin, wird, nach einem wenig beachteten Debut, 1937 von Veit Harlan entdeckt, in dessen Film 'Jugend' übernimmt sie 1938 die Hauptrolle und heiratet den Regisseur 1939.


Dem Idealbild einer arischen Frau entsprechend, ist sie beim Publikum wie bei der nationalsozialistischen Führung sehr beliebt und steigt schnell zu einem der leuchtendsten Sterne der deutschen Filmkunst auf. 


Da sie in 'Jud Süß' und 'Die goldene Stadt' verzweifelte junge Frauen, die sich letztlich ertränken, verkörperte, wird die Söderbaum fortan liebevoll spöttisch mit „Reichswasserleiche“ attributiert. 


Zwischen 1945 und 1950 schlägt sie, aus Solidarität mit Harlan, der wegen seiner Propagandafilme der „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ angeklagt und mit Berufsverbot belegt ist, alle Filmangebote aus, spielt aber in Theaterstücken, die Harlan anonym inszeniert.


Ihr Mann wird 1950 endgültig freigesprochen, darf wieder offiziell inszenieren und Söderbaum spielt in seinen folgenden Filmen zahlreiche Hauptrollen. Nach Harlans Tod, im April 1964, übernimmt die „Reichswasserleiche“ 1974 eine Rolle in Hans-Jürgen Syberbergs Film 'Karl May', taucht in drei wenig bekannten Filmen sowie in 'Der Bergdoktor' auf und stirbt 2001 in einem norddeutschen Pflegeheim.